Die perfekte Rollstuhlbreite

Als Erstes vorweg. Wir schreiben hier nicht über die Sitzbreite. Die optimale Sitzbreite findest du in einem späteren Blog Beitrag 😉 Die Rollstuhlbreite ist die breiteste Stelle an Rollstühlen, also der Abstand vom äußeren Greifreifen zum äußersten Greifreifen. Doch Vorsicht, nicht bei allen Rollstühlen ist das die breiteste Stelle. Schaue dir vorab deinen Rollstuhl genau an.

Dein Rollstuhl ist individuell

Auf vielen verschiedenen Seiten im Internet findet man Angaben über die optimale Rollstuhlbreite. Doch ist jeder Nutzer vom Körper her gleich aufgebaut!? NEIN, alle Nutzers sind einzigartig. Die Konfektionsgröße von Kleidung variiert ja auch. Mal ist der Pullover zu lang und mal zu kurz. Genauso verhält es sich auch mit der Rollstuhlbreite. Jeder Po ist unterschiedlich. Jeder möchte einen anderen Radsturz haben.

Wir machen es einfach: Der Rollstuhl unterstützt bei der Mobilität. Doch was passiert, wenn du dich auf deinen Berater verlässt und es dann eigentlich eher in die Hose geht, weil der nette Herr vergessen hat, an die DIN-Norm einer Türbreite zu denken. Daher musst du mit deinem Berater immer ehrlich und direkt reden. Erzähl ihm, was du alles mit dem Rollstuhl machen möchtest.

Wichtig bei der Rollstuhlvermessung

Die Rollstuhlbreite ist unwahrscheinlich wichtig, aber es gibt noch weitere Faktoren die zu einem perfekten Rollstuhl gehören, damit er dir passt ohne Folgeerkrankungen zu verursachen. Achte bei der Vermessung mit deinem Berater auf folgendes:

Sitzhöhe:
Bei der Sitzhöhe müssen die Finger bei ausgestrecktem Arm nach unten die Achse übersteigen.

Sitztiefe:
Bei der Sitztiefe achte erst einmal darauf, das dein Sitzkissen genauso lang ist und du zwischen Sitzbespannung/-brett und deiner Kniekelhle maximal 2 Fingerbreite Platz hast.

Rückenlehne:
Bei der Rückenlehne musst ganz du selbst entscheiden, was du möchtest: Du kanst dich entscheiden zwischen einem V-Rücken bei breitem Kreuz oder einen Standard-Rücken. Hier gibt es keine Faustregel.

Sitzkissen:
Was verträgt dein Po? Zu weich ist nicht gut und zu hart auch nicht. Finde dein Mittelmaß und teste vorab immer verschiedene Sitzkissen aus. So wirst du das Beste für dich finden.

Anders sieht das alles bei Elektrorollstühlen aus, da es tausende verschiedenste Elektrorollstühle auf dem Markt gibt, die in vielen Varianten verstellbar sind. Dort wird jedoch das Fachpersonal extrem geschult, was leider bei aktiven Rollstühle vergessen wird.

DIN-18040

Eine konkrete optimale Rollstuhlbreite gibt es nicht. Es gibt jedoch eine DIN-Norm (DIN 18040 Verkehrsflächen und Bewegungsflächen, Platzbedarf), die den Platzbedarf für Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühle regelt. Auf der nternetseite https://din18040.de/flaechen.htm findest du eine Tabelle, wo alles auf´s kleinste Detail aufgeführt wird. Was man jedoch schon vorab erwähnen kann: Der Platzbedarf der immer als DIN-Norm genommen wird, ist für Rollstühle echt knapp bemessen. Die DIN 18040 ist jedoch die Mutter aller Platzbedarf-Richtlinien für Menschen mit Behinderungen.

Weitere DIN-Normen die wichtig sind:
DIN 18040-1 öffentliche Gebäude
DIN 18040-3 öffentliche Räume

Deine optimale Rollstuhlbreite

Wenn die Maße beim Vermessen deines Rollstuhls keiner Beachtung geschenkt wurde, passt du entweder nicht durch die Türen oder bekommst Probleme im öffentlichen Bereichen. Natürlich sind das jetzt übertriebene Beispiele, doch auch bei kräftig gebauten Menschen kann man den Rollstuhl so vermessen und sonderanfertigen, dass sie durch eine Tür von 73,5 cm Breite passen. Auch hier sind Grenzen gesetzt. Das setzt natürlich voraus, dass der neue Rollstuhl ein Sonderbau (Rollstuhl nach Maß) wird. Es gibt aber auch Rollstühle von der Stange, die man aufwerten kann, so dass sie eine optimale auf dich abgestimmte Rollstuhlbreite haben und dem Platzbedarf des Rollstuhls entsprechen. Eine genaue Aktiv Rollstuhl Breite gibt es so nicht, doch die folgenden Punkte können dir helfen, damit du in deiner Mobilität nicht eingeschränkt bist.

Die Türbreite

Es ist wichtig, das du dir vorher genau Gedanken machst, was du alles mit dem Aktiv Rollstuhl machen möchtest. Es kann immer mal sein, das du mit Freunden oder Familie ein Restaurant besuchen möchtest, welches zwar einen barrierefreien Eingang hat, jedoch die Tür zu schmal ist. Schaue als Erstes, wo zu Hause die schmalste Tür ist und messe sie aus. Sprich mit deinem Berater darüber, denn zusammen findet ihr eine Lösung. Es bringt nichts, wenn deine Rollstuhlbreite 70 cm ist und deine schmalste Tür nur 55 cm breit. Nehmt euch die Zeit und sprecht ausführlich darüber. Achte darauf, das die Richtlinien früher für Türen (im Altbau) nicht die Breitesten waren. Heutzutage müssen alle Türen (im Neubau) ein Mindestmaß an Breite vorweisen. Sei es für den Rettungsweg oder der Durchgangsbreite für den Rollstuhl.

Der Radsturz

Wenn du auch mit dem neuen Rollstuhl Handbike fahren möchtest, dann wäre es fatal, keinen Radsturz zu haben. Ohne Radsturz ist die Kippgefahr in den Kurven extrem hoch. Doch was passiert, wenn dein Rollstuhl breiter als 70 cm ist? Nichts! Dann besprich mit deinem Berater, das von dem Rollstuhl Hersteller eine Radstandverlängerung eingebaut wird, wo der Sturz für das Handbiken eingestellt ist. Bei jeder Handbike Tour steckst du dann vorher einfach deine Antriebsräder um. Anders sieht es natürlich bei der Breite vom Sportrollstuhl aus. Hast du zb. einen Basketball Rollstuhl, wird der mindestens einen Sturz von 3 Grad haben. Dieser Sturz verhindert, das du bei schnellen ruckartigen Bewegungen umkippst. Genauso verhält es sich auch bei deinem Aktiv-Rollstuhl.

Dein Umfeld

Denke vorab nach, wie du selbst drauf bist. Welche Ziele und welche Wünsche hast du? Das alles muss in deine Rollstuhlplanung mit bedacht werden. Hat der Rollstuhl erst einmal eine falsche Breite, wird es schwer ihn nachträglich umzubauen. Denke an deine Mobilität und hole dir Tipps, wie andere das gelöst haben. Nehme dein Umfeld genau unter die Lupe. Welche Faktoren musst du beachten? Bedenke aber auch: Unsere Gesellschaft ist noch nicht komplett barrierefrei. Es kann passieren, das du Abstriche machen musst. Doch wo es Probleme gibt, gibt es auch Lösungen. Berate dich vorab und akribisch darüber mit deinem Berater. Mache dir Stichpunkte zu allem, was dir wichtig ist. So akribisch, wie du diesen Text liest, musst du auch die neue Hilfsmittel-Versorgung für deinen perfekten Rollstuhl angehen.

Hier ein paar Fragen die dir dabei helfen werden:

  • Was ist meine maximale Rollstuhlbreite?
  • Was ist mein Platzbedarf?
  • Kann ich Abstriche in meiner Sitzbreite machen?
  • Welche Maße haben meine alten Rollstühle gehabt?
  • Wie oft bin ich im öffentlichen Bereich unterwegs?
  • Spreche über Probleme, Wie haben andere Nutzer das Problem gelöst?
  • Deine Ziele und Wünsche?
  • Nun bist du dran. Was gibt es noch für Faktoren, die du beachten solltest?

Fazit

Du bist es, der täglich den Rollstuhl benutzt. Bleibe nicht einfach still sitzen, sondern bemühe dich, deine Wünsche und Ziele durchzusetzen. Wenn dein Berater ungeduldig ist und auf Abstand geht oder dir sogar gar nicht zuhören möchte, stelle ihn zu Rede. Wenn mit ihm nicht zu reden ist, wechsel den Berater. Es gibt sehr viele gute Berater, die schon viele Rollstühle in ihrem Leben zusammengestellt bzw. vermessen haben. Suche dir am besten einen Berater, der selbst im Rollstuhl sitzt, der dich im sitzen vermisst und genau auf deiner Augenhöhe ist. Solch ein Berater weiß, wovon er spricht.
Notiere dir die Fragen oder drucke sie dir aus und mache dir Gedanken darüber. Befolgst du sie, wird es für dich keine Probleme mehr geben.

Text: Benjamin Hermann
Foto: Adobe Stock